Steueroptimierte Gestaltung bei Abfindungen!

Sachverhalt

Der ledige, konfessions- und kinderlose A ist seit vielen Jahren als Angestellter bei einem Energieversorger tätig. Aufgrund der Energiewende und der damit zusammenhängenden Umstrukturierungen im Energiesektor ist sein Arbeitgeber gezwungen, Personal abzubauen.

Hiervon ist auch A betroffen. Ihm wird zum 31.12.2011 gekündigt. Er erhält eine nach § 34 Abs. 1 EStG begünstigte Abfindung i. H. von 80.000 Euro. Der Betrag wird ihm am 10.01.2012 nach Abzug der Steuern gutgeschrieben. Darüber hinaus erzielt A im Jahr 2012 voraussichtlich laufende Einkünfte i. H. von 8.000 Euro aus Vermietung und Verpachtung.

Frage

1.  Wie hoch ist die Steuerbelastung – unter Berücksichtigung der sog. „Fünftelregelung“ – im Jahr 2012 für A, wenn keine über die Pauschbeträge hinausgehenden Werbungskosten und Sonderausgaben angefallen sind?
2.  Welche Gestaltungsmöglichkeiten wären A zu empfehlen, um seine Steuerlast 2012 zu minimieren?
3.  Wie hoch wäre die Steuerersparnis, wenn A die empfohlenen Gestaltungen umsetzt?

Antwort

1.  Die Einkommensteuer für 2012 beträgt 18.740 Euro.
2.  A ist zu empfehlen, durch zusätzliche Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen die laufenden Einkünfte zu neutralisieren.
3.  Wenn A das Einkommen z.B. durch eine Spende i.H. von 8.000 Euro mindert, resultiert hieraus eine Steuerersparnis i. H von 10.695 Euro (mehr als 133%)

Begründung
Zu 1.: Abfindungen sind seit dem 01.01.2006 in vollem Umfang steuerpflichtig. Unter bestimmten Voraussetzungen unterliegen sie als außerordentliche Einkünfte einer ermäßigten Besteuerung. Es handelt sich hierbei um die „Fünftelregelung“ (die Fünftelregelung wurde durch das STEntiG 1999/2000/2002 eingefügt und löste 1999 die

Besteuerung außerordentlicher Einkünfte mit dem halben Durchschnittssteuersatz ab.

(§ 24 Nr. 1 Buchst a i.V. m. § Abs. 1 EStG)). Dadurch soll eine Abschwächung des Progressionseffektes erreicht werden. Nach diesen Grundsätzen ist die Steuerbelastung für A wie folgt zu ermitteln:

Steuerersparnis-1

 Zu  2:  Die „Fünftelregelung“ des § 34 Abs. 1EStG entfaltet ihre volle steuerliche Entlastung nur dann, wenn neben den außerordentlichen Einkünften (Abfindung) keine laufenden Einkünfte zu versteuern sind. Sind zusätzlich laufende Einkünfte zu versteuern, erhöhen diese den Steuersatz für die Abfindung. Ziel von Gestaltungen muss es folglich sein, die laufenden Einkünfte möglichst gering auszuweisen oder in andere Veranlagungszeiträume zu verlagern. Denkbar sind z.B. Vorauszahlungen von Krankenkassenbeiträgen oder Spendenzahlungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 und 2 EStG.

Zu  3:  Wenn A in 2012 eine Spende i. H. von 8.000 Euro leistet, ergibt sich folgende steuerliche Belastung:

 

Steuerersparnis-2

Steuer

Durch die Spende von 8.000 Euro sinkt die Steuerbelastung um 10.695 Euro (18.740 Euro vor Spende ./. 8.045 Euro nach Spende). Die Steuerersparnis beträgt bezogen auf die Spende mehr als 133 %.

Anmerkung: In bestimmten Fällen, in denen die laufenden Einkünfte unterhalb des Spitzensteuersatzes liegen, führen z.B. Spendenzahlungen dazu, dass die Steuerersparnis durch die Spende höher ist als die Spende selbst.

Einkünfte oberhalb von 52.882 Euro (Grundtabelle, im Fall der Zusammenveranlagung verdoppeln sich die Beträge) werden mit einem festen Spitzensteuersatz von 42% besteuert (sog. Proportionalbereich – Auf die sog. Reichensteuer von 3% wird aus Vereinfachungsgründen nicht eingegangen (§ 32a Abs. 1 Nr. 5 EStG))

Werden laufende Einkünfte von mehr als 52.882 Euro erzielt bzw. außerordentliche Einkünfte von mehr als 264.410 Euro (Ein Fünftel von 264.410 Euro entspricht 52.882 Euro), erfolgt keine steuerliche Entlastung durch die „Fünftelregelung“ i.S. des § 34 Abs. a EStG mehr. (Vergl. Henning/Hundsdoerfer/Schult (DStR 1999 S. 131))

Verfasser: Dipl.-Finanzwirt(FH) Bernd Gottwald, Oberrechnungsrat, Troisdorf-Bergheim

Für Rückfragen und Beratung: Sozietät Matthiesen, Siems & Dr. Roes, Frohmestr. 23, 22457 Hamburg,   www.Steuerberatung-SMS.de

Ein Gedanke zu “Steueroptimierte Gestaltung bei Abfindungen!

  1. Die angesprochene Optimierung durch eine Spende ist eine seit Jahren vielseitig erprobte steuerliche Gestaltung, die in der Tat in nicht selten zu höheren Steuerrückflüssen führt, als vorher für die Spende aufgewandt wurde.

    Ergänzend ist zu sagen, dass es sich grundsätzlich um eine Zuwendung an einen gemeinnützigen, kirchlichen bzw. mildtätigen Zweck nach § 51 AO ff. handeln muss.

    Neben der genannten Spende ist auch eine Zuwendung an z.B. eine gemeinnützige Stiftung möglich, die ebenfalls die gleichen positiven steuerlichen Auswirkungen hat. Auf diesem Weg läßt sich „Gutes tun“ und Steuern sparen auf einfache Weise miteinander verknüpften.

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